Die Stadt der Türme

Eine Reise durch Rothenburg

Von Karin Katzenberger-Ruf

Nur keine Torschlusspanik! Rothenburg ob der Tauber hat zwar eine gut erhaltene Stadtmauer, doch die Tore bleiben im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten auch nachts geöffnet. Kein Spätheimkehrer muss durch das „Mannloch“ kriechen und dafür auch noch Strafe zahlen. Wer wüsste das besser als der Nachtwächter vor Ort? In diese Rolle schlüpft Hans-Georg Baumgartner schon lange hauptberuflich.

Seine abendlichen Touren vor mittelalterlicher Kulisse sind ebenso lehrreich wie unterhaltsam. Das fränkische Rothenburg, 1274 durch König Rudolf von Habsburg zur Freien Reichsstadt erklärt, erlebte vom Ende des 13. bis zum Anfang des 16. Jahrhundert seine erste Blütezeit, hatte schon um 1400 über 6000 Einwohner. Mit dem Bauernkrieg ab 1525 verlor die Stadt an Bedeutung. Während des 30-Jährigen Krieges drohte dann die Zerstörung durch Tillys Truppen. Ob tatsächlich der „Meistertrunk“ von 1631 die Stadt gerettet hat? Der damalige Bürgermeister Heinrich Toppler soll mit dem General eine Wette eingegangen sein und einen Humpen mit dreieinviertel Liter Wein in einem Zug geleert haben – das sind 13 Schoppen. Seit 1881 wird ein Bühnenstück über das legendäre Ereignis aufgeführt. Zu Pfingsten, aber auch während der Reichsstadt-Festtage am ersten September-Wochenende. Rothenburg liegt an der Schnittstelle zwischen Romantischer Straße und Burgenstraße, hat heute rund 11000 Einwohner und jährlich an die 1,7 Millionen Besucher aus aller Welt, darunter etwa 500000 Übernachtungsgäste. Für viele Reisende aus Fernost gehört das Städtchen zur Europa-Route. Sie haben oft nur wenige Stunden, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Mal kurz die begehbare Stadtmauer erklimmen? Das ist zumindest für ein Erinnerungsfoto manchmal drin. Um auf die Aussichtsplattform auf dem rund 60 Meter hohen Rathausturm zu gelangen, müssen allerdings weit mehr Treppen bewältigt werden. Das letzte Stück mit seinen schmalen Stufen ist besonders steil, der Platz auf der Plattform auf einige Personen begrenzt. Doch der Blick von oben auf den Marktplatz, die Dächer der Stadt und die Umgebung ist den beschwerlichen Aufstieg wert. Das Rathaus von Rothenburg ist an sich schon eine architektonische Besonderheit, besteht aus zwei Gebäuden, die aus der Gotik und aus der Renaissance stammen. In der „Stadt der Türme“ ist das Türmchen auf dem Dach ein vergleichsweise kleines, auch wenn es in 60 Meter Höhe ragt. Seit 2014 gibt es in Rothenburg den „Turmweg“ mit 22 Stationen, in dem alles über noch vorhandene, aber auch über verschwundene Türme erklärt wird. Von den 46 Türmen in der Stadt ist der Röderturm hinter einem der Haupttore der Stadtmauer der einzig begehbare und nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt.

Vom „Turmweg“ rund um die Altstadt, der in etwa zwei Stunden zu schaffen ist, zweigen weitere interessante Strecken ab: Der Panoramaweg mit herrlichen Aussichtspunkten, der Wein- und Gesteinslehrpfad, der Taubermühlenweg, jener zur historischen Kuranlage „Wildbad“, aber auch ein wasserwirtschaftlicher Lehrpfad sowie weitere Wander- Fernwander- und Pilgerpfade. Innerhalb der Stadtmauer kann man Rothenburg aber auch ganz gemütlich mit der Pferdekutsche erkunden. Wer sich lieber auf Schusters Rappen auf den Weg macht, sollte bequemes Schuhwerk wählen. Nur so macht der Gang über das Kopfsteinpflaster Spaß. Rothenburg gilt als „Mittelalter-Stadt“ schlechthin, ist für seine Fachwerkbauten weltberühmt. Doch auch im Städtchen „ob der Tauber“ hinterließ der Zweite Weltkrieg seine Wunden. Der Wiederaufbau glückte, das historische Erbe blieb weitgehend erhalten. Natürlich hat Rothenburg ein Reichsstadtumseum. Dort wurde schon im Herbst 2016 eine Ausstellung zum Thema „Medien der Reformation – Kampf der Konfessionen“ eröffnet, die noch bis zum 30. September 2017 zu sehen ist, www.reichsstadtmuseum.rothenburg.de.

Um „Luther und die Hexen“ geht es in seiner Sonderausstellung im Mittelalterlichen Kriminalmuseum, die schon seit Frühjahr 2016 läuft und sogar bis Ende 2018 dauern soll. In diesem Museum wird allerdings auch das Rechtswesen über die Jahrhunderte lebendig. Die „Eiserne Jungfrau“ gehört zu den Ausstellungsstücken. War sie tatsächlich Folterinstrument oder ist sie eine Fälschung? Darüber darf vor Ort spekuliert werden. Daumenschrauben oder Schandmasken erscheinen da bei Prozess und Strafvollzug dennoch die harmloseren Varianten gewesen zu sein, www.kriminalmuseum.rothenburg.de. „Verliese mit Wachstube, Folterraum, Gefängniszellen. Damit wirbt das „Historiengewölbe“ im Innenhof des Rathauses für sich. Dort wird auch der legendäre „Meistertrunk“ nachgestellt, www.meistertrunk.deRotheburg hat aber noch ganz andere Seiten und eignet sich auch wunderbar zum „Shopping“. Vielleicht darf es ein Schneeballen sein? Dieses fränkische Gebäck, das früher nur an Festtagen auf den Tisch kam, machte der Bäcker Fritz Striffler im Jahr 1925 populär. Ein Zwetschgenschnaps gehört in den Mürbeteig, weiß seine Enkelin und auch, dass die Schneeballen gut drei Wochen lang frisch bleiben, wenn man sich richtig lagert und dann immer noch auf der Zunge vergehen. In der Bäckerei werden die Ballen, die das ganze Jahr über gut schmecken, von Hand gemacht. In Sachen „Handmade“ gibt es in Rothenburg nochmals ganz neue Perspektiven. Neun Manufakturen haben sich unter dem Namen zusammengeschlossen. Zwei Beispiele dafür sind AnRa-Mode&Accecoires (www.anra-mode.de) in der Altstadt und die Leyk-Lichthäuser GmbH samt Lotosgarten und Café (www.lotos-garten.de) im Gewerbegebiet. Beide Unternehmen werden von kreativen Frauen geleitet. Im Mittelalter gab es übrigens auch schon Handwerkerinnen.

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