Mit dem Zug durch die winterliche Schweiz

Von der Riesenklangschale bis zur kleinsten Großküche

Von Andreas Gillner

Der Franken ist stark, die Schweiz ist teuer - sagen zumindest deutsche Touristen. Sicherlich, da ist etwas dran. Doch die Schweiz ist sehenswert, lautet mein Fazit am Ende einer fünftägigen Tour, die ich im Rahmen der sogenannten „Grand Train Tour of Switzerland“ unternehme. 

Bei der Planung der Reise habe ich zwei Vorgaben mir gesetzt: Zum einen wollte ich eine Schweiz-Tour im Winter machen, zum anderen wollte ich entspannt reisen, um viele Eindrücke aufnehmen zu können. Und so kam nicht Auto für mich in Betracht, sondern der Zug. 

Ich entscheide mich für die „Grand Train Tour of Switzerland“, auf der sich auch die schönsten Panoramarouten befinden. Mit dem sogenannten Swiss Travel Pass in der Tasch, den Touristen für 3, 4, 8 oder 15 aufeinanderfolgende Tage erwerben und den sie in der gesamten Schweiz nahezu für öffentlichen Verkehrsmittel, gleich ob Bahn, Schiff oder Postbus inklusive der Panoramastrecken und freien Eintritt in über 500 Museen nutzen können, mache ich mich auf den Weg. Da meine Reise fünf Tage dauern soll, kommt nur das 8-Tagesticket in Betracht, das es für rund 552 Euro gibt. Und so beginne ich meine Tour, die mich von Zürich nach St. Gallen, über Luzern, Zermatt, St. Moritz und Lugano durch eine winterliche Landschaft über Pässe und faszinierende Brücken zu interessanten Höhepunkten wie einer Riesenklangschale, einem grillenden Hoteldirektor, der wohl kleinsten Großküche oder dem höchstgelegenen Wellnesshotel Tessins bringen soll, in einer Airbus-Maschine von SwissAir am Frankfurter Flughafen.

Von Zürich über St. Gallen nach Luzern zur Riesenklangschale 

Pünktlich landet der Swiss Airbus von Frankfurt am Züricher Flughafen. Der Bahnsteig von dem aus mich ein InterRegio nach St. Gallen bringen soll, ist in nur wenigen Gehminuten erreicht habe. Kaum da, kommt auch schon der erste Zug meiner Reise in dem ich Platz nehme. Als sich wenige Augenblicke später der InterRegio wieder in Bewegung setzt, muss ich mit einem Blick auf die Uhr sofort an die sprichwörtliche schweizer Pünktlichkeit denken. Pünktlich losfahren, pünktlich ankommen, denke ich auch, nachdem ich eine knappe Stunde später auf einer Tafel den Namen meines ersten Zielbahnhofs „St. Gallen“ lese. Da Pünktlichkeit, in der Schweiz offensichtlich eine Selbstverständlichkeit ist, überrascht es mich auch nicht, dass nach einer planmäßigen Wartezeit auf den Anschlußzug der erste Höhepunkt der Reise ohne Verzögerung beginnt: Die fast 2,5 stündige Fahrt mit dem Voralpen-Express nach Luzern. Was mich allerdings überrascht, ist der menschenleere 1-Klasse-Wagon in den ich eingesteige. Im Winter und außerhalb der Saison sind wohl nicht viele Touristen unterwegs. Unverständlich für mich, wie ich nur wenige Augenblicke später feststelle, denn ein Blick aus dem Panoramafenster in die winterliche Landschaft ist nicht weniger faszinierend als im Sommer. Genauso mitreißend sind auch die Shenswürdigkeiten, die der Zug auf seiner Strecke passiert. Doch obwohl eine Übersichtskarte, die unterhalb der Fenster an den Ablagen angebracht ist, eine gute Orientierung der Streckenhöhepunkte bietet, ist die volle Aufmerksamkeit gefordert. So dauert es nicht lange bis der Zug kurz hinter St. Gallen über die höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz, den 99 Meter hohen Sitterviadukt fährt. Wer genau hinschaut kann im Tal den Schattenwurf des Viadukts samt Voralpen-Express sehen. Bis der Zug in Luzern ankommt, passiert er das Weissenbach-Viadukt, fährt durch Tunnel wie den Wasserfluhtunnel oder Rickentunnel hinter Wattwill. Weiter vorbei am Zürichsee oder Zugerssee. Und immer wieder bietet sich mir ein schöner Blick auf die winterliche Landschaft und die Seeufer bis schließlich Luzern erreicht ist und ich mich hier vom Bahnhof mit dem Bus zur Riesenklangschale im 5-Sterne Hotel Palace begeben kann. Der moderne Belle Epoque-Palast bietet aus seinen Zimmern einen freien Blick auf den Vierwaldstättersee. Bei meiner Ankunft jedoch war nicht viel vom See zu sehen, denn eine Wolkendecke schiebte sich bis ans andere Ufer und ließ den See nur erahnen. Doch das schmälert nicht das Interesse am Hotel Palace. Insbesondere an der Riesenklangschale, die eigens für das Haus angefertigt wurde. 

„Mit einem Durchmesser von 1,76 Meter und einem Gewicht von 1,2 Tonnen ist es die weltweit erste Klangschale dieser Art“, sagt Hoteldirektor Raymond Hunziker. Hotelgäste können eine Zeremonie buchen in dessen Rahmen 1000 Frequenzen den Körper durchströmen und die Zellen in entspannende Schwingungen versetzen. Als Spa Mitarbeiterin Julia Bucher die Schale mit einem an Seilen angebrachten Holzstamm anschlägt, erklingt eine dunkler Klang und die dabei erzeugten Vibrationen scheinen nicht aufhören zu wollen. Der im Hotelprospekt angegebener Nachall von 5 Minuten pro Anschlag scheint mir realistisch zu sein. Die Klangschale ergänzt das Angebot das Wellnessangebot des Palace Spa, das sich auf 800 Quadratmetern im dritten Stock des Hauses befindet. Es verfügt über sechs Behandlungszimmer, zwei nach Geschlechtern getrennte Spa-Zonen mit Umkleidekabinen, Sauna, Dampfad, Aromadusche, Eisbrunnen und Ruheraum sowie einen Fitnessraum. Gästen, die das Besondere lieben, steht im 4. Stock das 72 Quadratmeter grosse Privat Spa mit Blütenpool, zwei Behandlungs- und Relaxliegen, einer Sauna und einem Dampfbad zur Verfügung. Trotz dieser Angebote versteht sich das Palace nach Meinung von Hoteldirektor Raymond Hunziker jedoch nicht als Wellnesshotel, sondern als Stadthotel direkt am See, das er zum besten der Stadt machen möchte.  

Von Luzern über Montreux nach Zermatt zum grillenden Hoteldirektor

Am nächsten Tag geht die Reise weiter nach Zermatt. Als ich Zermatt erreiche, ist es bereits dunkel. Viel Zeit für eine Besichtigung bleibt nicht mehr, denn ich freue mich bereits Franz Schwengler kennen zu lernen. Der Direktor des Parkhotels Beau pflegt eine Besonderheit: Jeden Dienstag und Freitag tauscht der Manager seinen Businessanzug gegen eine Kochschürze und steht gemeinsam mit seinem Grillchef vor dem Hotelgrill. Ein Blick auf das Buffet lässt keine Wünsche offen. Der Gast kann zwischen vielen Fisch- und Fleischsorten wählen und seine Bestellung beim Franz Schwengler aufgeben. Nur wenige Minuten später, bekomme auch ich mein zartes und frisch gegrilltes Stück. "Die Grillabende sind bei uns bereits Tradition", sagt Franz Schwengler. Und diese Tradition würde er niemals aufgeben. Einen Tipp hat er an diesem Abend noch für mich. "Gehen Sie morgen kurz vor sieben Uhr auf ihren Balkon und schauen Sie auf das Matterhorn". Er macht mich neugierig. Pünktlich zu angegebenen Zeit stehe ich am nächsten Tag auf dem Balkon meines Zimmers und blicke nach links auf das Matterhorn. Nur wenige Minuten Später bin ich dankbar um den Tipp des Hoteldirektors. Die aufgehende Sonne taucht langsam das Matterhorn in ein gelbes Licht und bietet mir ein Naturschauspiel, das ich unbedingt noch im Bild festhalten möchte, bevor ich mich auf den Weg zum Bahnhof mache, um meine Reise mit dem berühmten Glacier Express fortzusetzen. 

Mit dem langsamsten Schnellzug von Zermatt nach St. Moritz

Eine Fahrt mit dem Glacier Express zählt mit Sicherheit zu den Höhepunkten einer Zugreise durch die Schweiz. In rund acht Stunden „kämpft“ sich der langsamste Schnellzug der Welt, wie die Schweizer ihn nennen, von Zermatt nach St. Moritz durch die Schweizer Alpenlandschaft und passiert auf der 291 Kilometer langen Strecke 291 Brücken und 91 Tunnel. Ein Zahnradantrieb bringt den Zug zum höchsten Punkt der Reise, auf den schneebedeckten 2033 Meter hohen Oberalppass. Gehen hier auch Lawinen ab?, frage ich den Schaffner beim Blick aus meinem Panoramafenster? „Ja, das passiert schon mal“, antwortet er und als er meinen fragenden und besorgten Blick bemerkt, setzt er sich zu mir. „Sicherheit geht aber vor“, sagt er beruhigend. Die Strecke wird ständig überwacht. Dass eine Lawine den Zug erwischt, hält er deshalb für unwahrscheinlich. „Ist auch noch nie passiert“ sagt er. Dass die Schienen verschüttet werden, kann allerdings schon vorkommen. „Dann geht nichts mehr und die Fahrgäste werden umgeleitet. Nicht alle sind begeistert“, sagt der Schaffner. Doch so ist nunmal die Natur. Nicht immer beherrschbar, genausowenig wie der Teller vor mir als der Zug plötzlich und unerwartet mit einem Ruck zum stehen kommt. Zum Glück war mein Teller bereits leer. Hätte ich jedoch nur einen Augenblick vorher das Angebot der Bedienung für einen „Nachschlag“ nicht dankend abgelehnt, hätte das Bremsmanöver womöglich Erbsen, Nudeln und ein leckeres Schnitzel auf dem Boden verteilt und die Arbeit des Kochs, der auf engstem Raum im Glacier Express bis zu 200 Mahlzeiten zubereitet, zunichte gemacht. So aber ist alles gut gegangen und ich muss an das Geschick des Küchenchefs denken, der während der Fahrt das Gemüse schnippelt und die Gerichte frisch zubereitet, die den Fahrgästen an ihrem Platz serviert werden. Ich jedenfalls kann den Rest der Fahrt und die schöne Aussicht geniessen bis der Zug, nachdem er in Disentis die Lok gewechselt hat, da ab hier kein Zahnrad mehr benötigt wird, St. Moritz erreicht. 

Als Unterkunft in St. Moritz dient mir das zentral gelegene Hotel Crystal. Wem der Begriff Arvenholz noch nicht begegnet ist, spätestens hier schon. Die im alpinen Stil eingerichteten Zimmer und Suiten des Hauses sind mit eben diesem Holz versehen worden. Übrigens: Arvenholz ist nichts anderes als Zirbenholz. Den Unterschied macht lediglich der regionale Bezug. Während die Deutschen und Österreicher vom Zirbenholz sprechen, wird in der Schweiz der Begriff Arvenholz verwendet. Entspannungssuchenden und Wellnessfreunde finden im Wellfit-Spabereich nach geschlechtern getrennte Saunen verschiedene klassische Massagen und ein mit modernen Geräten ausgestattetes Fitnessstudio. Wer es etwas asiatisch mag, kann mit Freunden im Weinkeller des Hauses Sukiyaki, ein japanisches Fondue geniessen. „Sukiyaki kann bei uns auch von nicht Hotelgästen ab mindestens vier Personen gebucht werden“ sagt Hoteldirektor Franz Leder. Die Nachfrage sei groß. 

Von St. Moritz nach Lugano zum höchstgelegenen Wellnesshotel Tessins

Nach dem Aufenthalt in St. Moritz geht die Tour weiter nach Lugano. Rund vier Stunden dauert die Fahrt, die in St. Moritz im RegioExpress in Richtung Chur beginnt. Nach etwa 1,5 Stunden ist Thusis erreicht. Von hier geht die Reise nicht mehr mit dem Zug, sondern mit dem Postbus nach Bellinzione und von dort mit der S-Bahn nach Lugano, wo mich das höchstgelegene Wellnesshotel Tessins, das Kurhaus Cademario, erwartet. Das Kurhaus Cademario Hotel verfügt über 82 Zimmer und Suiten mit einem direkten Blick auf den Luganer See oder die umliegenden Berge. Auf den großzügigen Balkonen der Zimmer, die gegen Süden ausgerichtet sind, kann man dem Farbenspiel des ein oder anderen Sonnenuntergangs folgen. Der Gast kann wählen zwischen Doppelzimmern von bis zu 30 Quadratmetern Größe und Suiten mit bis zu 60 Quadratmetern. Nicht nur die schöne Aussicht gehört zu den Besonderheiten des Hauses, sondern auch der dazugehörige Park. Und: Das Kurhaus Cademario erweitert derzeit sein Medical Wellness Angebot, so Direktor Gilles Serge Toffoletto.

Durch den neuen Gothardtunnel zurück nach Zürich

Zugegeben, eine Rückfahrt von Lugano nach Zürich durch den 57 Kilomteter langen neuen Gotthardtunnel gehört zu einer Schweiztour einfach dazu. Aber: Die Fahrt durch die Röhre geht zwar schnell, doch zu sehen gibt es leider nichts …

Am Rande:

Völlig unproblematisch ist der Gepäcktransport. Die Züge verfügen über den Sitzen über eine ausreichend große Ablagefläche, auf der Koffer gut untergebracht werden können. Im hinteren Teil der Wagons des Glasier Express finden die Passagiere sowohl eine Kofferablagefläche, als auch eine Kleiderstange für Jacken. 

Übrigens: Schweizer Züge sind wirklich pünktlich. Wer nicht rechtzeitig am Bahngleis erscheint, kann nicht darauf hoffen, dass der Zug Verspätung hat. 

Weitere Infos: 

Der Swiss Travel Pass ermöglicht den Reisenden die Nutzung von Bahn, Bus und Schiff inklusive der Panoramastrecken (zzgl. Zuschlag und Platzreservierung) sowie öffentlichen Verkehrsmitteln in über 90 Städten. 50 Prozent Ermäßigung bei den meisten Bergbahnen und freier Eintritt in mehr als 500 Museen. Der Pass ist gültig für 3,4,8 oder 15 aufeinanderfolgende Tage. Erhältlich ist der Pass entweder über www.swisstravel.ch oder auch direkt am Flughafen Zürich.

www.luzern.com
www.palace-luzern.ch/de/
www.zermatt.ch
www.parkhotel-beausite.ch
www.crystalhotel.ch/de
www.kurhauscademario.com

 


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