Fußgänger vs. Radfahrer

Enge Wege machen das Miteinander schwierig

Von  Maria Hilt
Berlin. Für Fußgänger und Radfahrer wird es hierzulande oft eng: Während die Autos sich auf großzügigen Fahrspuren breit machen dürfen, müssen alle anderen sich rechts und links der Fahrbahn auf schmalen Asphaltstreifen aneinander vorbei drängeln. Und das geht nicht immer friedlich vonstatten.

"In einigen Städten in Deutschland herrscht auf jeden Fall eine angespannte Stimmung zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern", sagt Stefan Lieb vom Fachverband Fußverkehr Deutschland (FUSS) in Berlin.

Dabei können eigentlich weder die einen noch die anderen etwas für das hohe Konfliktpotenzial. "Das ist eigentlich ein strukturelles Problem", erklärt Lieb. Angefangen habe der Zoff zwischen Fußgängern und Radfahrern in den 70er Jahren, als erstmals vermehrt Radwege gebaut wurden. Wo die schnellen Zweiräder bislang mit den Autos auf der Straße fuhren, wurden sie nun gezwungen, sich einen schmalen Streifen mit den langsameren Fußgängern zu teilen. Viele Radfahrer hätten sich mittlerweile so an die Radspur im Fußgänger-Bereich gewöhnt, dass sie den Gehweg verbotenerweise auch abseits der Radwege nutzten, beklagt der Fußgänger-Lobby ist.

Auch Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Bremen nennt als Hauptursache für die Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern eine ungünstige Verkehrsplanung: "Die Wege sind einfach nicht so angelegt, dass sich Fußgänger und Radfahrer angemessen ausweichen können", sagt sie. Weitere Gründe für unangenehme Engpässe seien beschädigte Radwege und Autos, die den Radlern ihre Spur versperren.

Oft sind nach Ansicht der Experten zudem schwere Planungsfehler bei Rad- und Gehwegen schuld an kniffligen Situationen. Beispielsweise dann, wenn Fußgänger beim Überqueren einer Ampel zwangsläufig einen Fahrradweg queren, dessen Nutzer allerdings nicht durch eine Fahrradampel ausgebremst werden. "In solchen Fällen ist es wichtig, dass man die zuständigen Behörden auf diesen Missstand aufmerksam macht und ihnen eine Frist setzt, den Mangel zu beheben", sagt Stefan Lieb. In einigen Städten gebe es Systeme, über die Fahrradfahrer ganz schnell und unbürokratisch auf Schäden und Fehler am Radweg aufmerksam machen können. Ansonsten sei meist das Stadtplanungsamt zuständig. "Bei akuter Gefahr ist natürlich die Polizei der richtige Ansprechpartner", sagt Lieb.

Um das Konfliktpotenzial zu minimieren, empfiehlt Bettina Cibulski Radfahrern, anstelle des Radwegs die Straße zu nutzen. Denn dort seien sie nicht nur vor Konflikten mit Fußgängern gefeit, sondern auch viel sicherer unterwegs. Viele Fahrradunfälle passierten nämlich an Stellen, an denen der Fahrradweg auf die Fahrbahn mündet. Hier tauche der Radfahrer für Autofahrer oft völlig unvermittelt auf, und es komme zum Zusammenstoß. "Wenn man mit dem Fahrrad die ganze Zeit auf der Straße unterwegs ist, wird man von den Autofahrern viel besser wahrgenommen", ist Cibulski überzeugt.

In vielen Fällen sei es Radfahrern freigestellt, ob sie den Radweg oder die Straße benutzen. "Eine Benutzungspflicht für Radwege besteht nur dann, wenn der Weg mit dem blauen Radwegs-Schild gekennzeichnet ist", erklärt Cibulski. Da manche Autofahrer diese Regel jedoch nicht kennen, müsse man zwar mit gelegentlichem Anhupen rechnen, "aber wenn man das aushält, gewöhnen sich die Autofahrer sicher irgendwann an die Fahrräder", sagt die Expertin.

Wo sich Radfahrer und Fußgänger gezwungenermaßen das Trottoir teilen müssen, sei es wichtig, Verständnis für die Situation des jeweils anderen aufzubringen, sagt Stefan Lieb. So sollten Gassigeher darauf achten, dass sich ihre Hundeleine nicht quer über den Radweg spannt. Auch ein Blick nach rechts und links, bevor man den Radweg überquert, müsse selbstverständlich sein.

"Andererseits ist es wichtig, dass Radfahrer immer an die Situation angepasst fahren", betont Lieb. Bemerke der Radfahrer beispielsweise, dass ein Fußgänger mit dem Rücken zum Radweg steht, müsse er damit rechnen, dass sich die Person ungewollt einen Schritt nach hinten bewegt - und dadurch mit dem Rad kollidieren könnte.

"Der Radfahrer ist immer der Stärkere, und der sollte auf den schwächeren Fußgänger Rücksicht nehmen", betont auch Bettina Cibulski. Vor allem auf einem Gehweg mit der Kennzeichnung 'Radfahrer frei' sei man mit dem Zweirad nun mal nur Gast. Sportlicher Fahrstil und wildes Anklingeln von Fußgängern seien also absolut tabu. Cibulski rät Radfahrern, wenn möglich Blickkontakt zu den Fußgängern aufzunehmen und sie dann zu bitten, zur Seite zu treten. "Klingeln sollte man nur, wenn man noch einige Meter weit von den Leuten entfernt ist - sonst erschrecken sie sich sehr und haben außerdem kaum Zeit auszuweichen."

Umsicht und Geduld lohnen sich für beide Parteien. Denn auch Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern sind oft keine Lappalie. Bei den meisten Zusammenstößen kämen zwar alle Beteiligten mit blauen Flecken davon, berichtet Stefan Lieb. Allerdings könnten gerade ältere Menschen bei einem Sturz schlimme Verletzungen wie Knochenbrüche davontragen. "Außerdem ist es auch schon zu Unfällen mit tödlichem Ausgang gekommen - beispielsweise, wenn Fußgänger und Radler mit den Köpfen zusammenstoßen."

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