Mikroplastik ist längst nicht mehr nur ein Umweltproblem. Forschende finden Kunststoffpartikel auch im menschlichen Körper – und untersuchen, was sie dort bewirken können.

30. September 2026 · Redaktion

Eine neue Studie zeigt bei Mäusen, wie Mikroplastik die Funktion von Fresszellen der Leber verändern kann.
Unter einer fettreichen Ernährung kam es dadurch zu einer stärkeren Fetteinlagerung. Was davon für den Menschen gilt, ist noch offen.

Mikroplastik erreicht die Fresszellen der Leber

Die Leber filtert Stoffe aus dem Blut. Eine wichtige Rolle spielen dabei die sogenannten Kupfferzellen. Sie gehören zu den Fresszellen des Immunsystems und sitzen direkt im Lebergewebe.

Eine neue Studie der Universität Bonn, veröffentlicht in Nature Metabolism, zeigt, was bestimmte Kunststoffpartikel mit diesen Zellen machen können.

Die Forschenden setzten Mäuse über zwölf Wochen Mikroplastik mit einer Größe von etwa 500 Nanometern sowie Nanoplastik mit etwa 50 Nanometern aus. Die größeren Partikel wurden von Kupfferzellen aufgenommen und beeinträchtigten deren Funktion. Dadurch veränderten sich Signale zwischen den Zellen und der Fettstoffwechsel der Leber.

Unter einer fettreichen Ernährung zeigte sich eine stärkere Fetteinlagerung in der Leber. Die Forschenden führen dies auf die veränderte Funktion der Kupfferzellen zurück: Die aufgenommenen Partikel beeinflussten deren Signale an andere Leberzellen und damit auch den Fettstoffwechsel.

Mikroplastik und Nanoplastik wirken nicht gleich

Interessant ist auch die Größe der Partikel. Das kleinere Nanoplastik führte im Versuch nicht einfach zu einer stärkeren Variante desselben Effekts, sondern zu anderen Stoffwechselveränderungen.

Mikro- und Nanoplastik sind deshalb nicht als einheitliche Belastung zu betrachten.

Mikroplastik in der menschlichen Leber

Mikro- und Nanoplastik wurde inzwischen auch in menschlichem Gewebe nachgewiesen, darunter in der Leber. Daraus lässt sich jedoch noch nicht ableiten, dass die Partikel beim Menschen eine Fettleber verursachen.

Auch die tatsächliche Belastung des Menschen lässt sich derzeit nicht zuverlässig bestimmen. Wie viel Mikro- und Nanoplastik aufgenommen wird und welche Partikel dabei eine Rolle spielen, ist noch mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.

Was die Studie über Mikroplastik und die Leber zeigt

Die Bonner Studie liefert vor allem einen möglichen biologischen Mechanismus. Sie zeigt, dass Kunststoffpartikel über die Fresszellen der Leber in den Stoffwechsel eingreifen können.

Allerdings wurden die Versuche mit jungen männlichen Mäusen durchgeführt. Ob weibliche Tiere vergleichbar reagieren und in welchem Umfang sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, ist offen.

Nachdem die Belastung beendet worden war, gingen die wesentlichen Stoffwechselveränderungen während der folgenden zwölf Wochen weitgehend zurück. Die Partikel waren in den Kupfferzellen allerdings weiterhin nachweisbar.

Quellen