Von Karin Katzenberger-Ruf
Die junge Frau aus Korea hat noch nie Schnee gesehen und nun soll sie gleich Schlitten fahren? Das ist für sie schon eine Herausforderung, die sanfte Version vom "Eiger Run" schafft sie dann doch ohne größere Schwierigkeiten.
Das Berner Oberland mit der Stadt Interlaken und den Bergen Eiger, Mönch und Jungfrau steht in Korea hoch im Kurs, von dort kommen momentan mehr Gäste als aus Deutschland, die Golfstaaten stellen über 10 Prozent der Touristen, China und Hongkong sind mit fast 15 Prozent dabei.
Die Bahn zum Jungfraujoch feierte bereits 2012 ihr 100-jähriges Bestehen. Und wer hat sie erfunden? Das war der Schweizer Unternehmer Adolf Guyer-Zeller (1839-1899), der sich Ende des 19. Jahrhunderts bereits als "Eisenbahnkönig" einen Namen gemacht und schließlich 1893 die Idee hatte, eine Zugstrecke hinauf ins ewige Eis zu realisieren. Den ersten Spatenstich 1896 und die Eröffnung der Station Eigengletscher 1898 später erlebte er noch, im Jahr darauf starb er an einer Lungenentzündung. Vier Jahre Bauzeit hatte er für das riesige Bauprojekt kalkuliert. Unter Regie seiner Söhne wurden schließlich sechzehn daraus. Die Stationen Eigerwand und Eismeer eröffneten 1903 beziehungsweise 1905, die Endstation "Jungfraujoch" war 1912 erreicht. Der höchst gelegene Bahnhof von Europa befindet sich auf 3454 Metern Höhe und ist damit „Top of Europa".
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Ab Grindelwald kostet die Fahrt ganz nach oben und zurück um die 200 Euro. Das ist sogar manchem Schweizer zu teuer. Gäste aus Fernost bekommen mitunter günstige Gruppentarife, Individualreisende aus Deutschland müssen sich das Erlebnis einfach leisten wollen. Sie kommen dafür bei rechtzeitiger Buchung schon für 39 Euro in die Schweiz, auch der Swiss-Pass ist für Bahnreisende ein interessantes Angebot. Bei der Fahrt auf das Jungfraujoch gibt es Stationen, in denen der Zug kurz verlasen werden kann. Weil dort Scheiben die freie Sicht beeinträchtigen, lohnt sich das eigentliche Foto-Shooting allerdings erst ganz oben.
Bei schönem Wetter ist die Aussicht über das Berner Oberland grandios. Der Eispalast mit allerlei Skulpturen, darunter auch Eisbären, ist ebenfalls einen Besuch wert. Außerdem kann man auf dem Jungfraujoch gemütlich einkehren, Schweizer Schokolade und Souvenirs kaufen. Derweil ist auf der Aussichtsterrasse wohl das ganze Jahr über Trubel und werden viele "Selfies" vor verschneiter Kulisse gemacht. Interlaken ist indessen ganz auf das internationale Publikum eingerichtet. Eine gute Adresse zum Übernachten ist das Lindner-Hotel "Beau Rivage", ein Hotel, das um das Jahr 1900 entstand und sich trotzt vieler Neuerungen seinen Charme erhalten hat. Die Zimmer sind schön und zum Teil rustikal gestaltet und das Treppenhaus ist einfach ein Knaller. Wer im Berner Oberland Urlaub macht, könnte natürlich auch am Thuner See oder am Brienzer See absteigen, in Erlenbach im Simmental die Seilbahn zum Chrindi nehmen und auf halber Höhe im gefrorenen Hinterstockensee das Eisfischen ausprobieren. Ob ein Fisch anbeißt? Dafür gibt es keine Garantie. Doch Löcher in den See zu bohren und die Angel reinzutauchen, ist schon mal die halbe Miete. Eine "Schlittenpartie" auf dicken Reifen und die Einkehr in einem Iglu mit Käse-Fondue sind ebenfalls ihr Geld wert.
Info: www.Interlaken.ch, www.lindnerhotels.com.



