Madeiras Lebensadern

Wandern entlang alter Wasserwege

Von Doris Schober

Die Szenerie ist mystisch: Über uns verstricken sich knorrige Lorbeerbäume ineinander, Wolkenschatten treiben über gewaltige Wälder aus Farnen. Die Luft ist kühl und feucht, leichter Nebel schwebt über den Wegen, Wasserfälle plätschern an moosbegrünten Felsen hinab.

Fernab der Zivilisation zeigt sich die Landschaft in den Bergen von Madeira ungezähmt und dramatisch. Mit Sorgfalt und System jedoch sind die Levadas in dieser wilden Landschaft angelegt: die ehemaligen Wasserwege wurden ab dem 15. Jahrhundert dazu genutzt, das Quellwasser aus den Bergen hinab zu den Feldern und Zuckerrohrplantagen zu leiten. Die Bewässerungskanäle sind Madeiras Lebensadern und maßgeblich für den „schwimmenden Garten im Atlantik“ verantwortlich. 

Immer dem Wasser nach

Heute verlaufen parallel zu den Levadas Wanderwege durch eine dschungelähnliche Landschaft, über Schluchten, vorbei an rauschenden Wasserfällen und zerklüfteten Abgründen. Auf mehr als 2000 Kilometer zieht sich das Netz der Levadas geduldig durch die Berge Madeiras. Entlang der Kanäle führen 30 „kleine Routen“ über die ganze Insel. Diese offiziellen Wanderwege sind mit „PR“ für „pequenas rotas“ ausgeschildert und nach Schwierigkeitsgrad eingestuft. Die Touren variieren zwischen einfachen Spaziergängen und anspruchsvollen Bergwanderungen. Wir wählen die „PR 10“, eine sehr schöne, mittelschwere Wanderung entlang der Levada do Furado von Ribeiro Frio nach Portela. Vor uns liegen elf Kilometer üppige Schönheit und satte Ruhe. Für Wandergespräche bietet sich wenig Gelegenheit: die ehemaligen Wartungswege sind schmal, teilweise nur 30 Zentimeter breit. Wir gehen hintereinander, verschwinden in engen Schluchten mit moosigen Wänden, bevor sich am Ende des Tunnels spektakuläre Ausblicke auf stille, in Nebel vermummte Täler oder gigantische Bergrücken auftun. Entlang des Weges wachsen jahrtausendalte Lorbeerbäume, die über unseren Köpfen ein grünes, kühlendes Dach bilden. Vor Millionen Jahren ist dieser urzeitliche Waldtypus im Tertiär entstanden, die letzte Eiszeit überlebten jedoch nur die Wälder in Makaronesien, der Inselwelt im Atlantik, zu der Madeira, die Azoren, Kanaren und Kapverdischen Inseln gehören. Auf Madeira ist die größte Fläche mit 15000 Hektar beheimatet, die als ihre grüne Lunge 20 Prozent der Inselfläche bedeckt und 1999 zum Unesco Weltnaturerbe erklärt wurde. 

Um nach Portela zu gelangen, verlassen wir die Levada do Furado mit ihren Schatten spendenden Bäumen. Auf der letzten Teilstrecke wird der Weg gesäumt von einer Fülle an exotischen Pflanzen: Madeirischer Fingerhut, Hortensien, Orchideen, Strelitzie, Fackellilie, Kalla, Feuerdorn, Flammenbaum, Fenchel, Weihnachtssterne, Mimosenbäume, Orangen... Letztere sind neben Zitronen, Honig und einem Zuckerrohr-Rum die wichtigsten Zutaten für das Nationalgetränk Poncha, dem „Nationalgetränk“ der Insel, das in jeder Bar frisch zubereitet wird und köstlich schmeckt.

Infos: Durch das milde atlantische Klima sind die Sommer mit bis 25° Grad sehr angenehm und die Wintermonate selten kühler als 15°C. Die meist niederschlagsfreie Zeit von Mai bis September eignet sich am besten zum Wandern.

Hoteltipp:

Einen Aufenthalt mit Geschichte erlebt man im 6-Sterne-Luxushotel Belmond Reid’s Palace in Funchal. Das Hotel ist mehr als 100 Jahre alt und längst zur Legende geworden. 7 Nächte im Doppelzimmer, Frühstück, pro Person ab 1.001 Euro.

4-Sterne-Hotel Pestana Promenade Premium Ocean & Spa Resort in Funchal, 7 Nächte im Doppelzimmer, Frühstück, inkl. Flug und Transfer, pro Person ab 622 Euro.

Buchbar über Der Touristik, www.der.com

 

 


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