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Wann besteht eine Lawinengefahr?

Sieben Fragen an Skilehrer Fully Rietzler

Wo besteht die größte Lawinengefahr?

An Hängen mit einem Gefälle zwischen 25 und 35 Grad und allen Hängen und Bergkuppen, an denen der Wind den Schnee verfrachten kann, d.h. dass der Wind den Schnee von einer auf die andere Seite mitnimmt und dort anhäuft. Gefährlich ist es auch in Kammlagen, weil auch hier Schneeverfrachtungen vorkommen. Grundsätzlich besteht Lawinengefahr bei einem starken Wärmeeinbruch, weil dann der Schnee nass und schwer wird.

Skifahrer werden mit Warnschildern auf die Gefahren hingewiesen. Was bedeuten die Warnschilder? Kann der Skifahrer auch anhand der Schneebeschaffenheit erkennen, ob eine Lawinengefahr besteht?

Die Warnschilder haben folgende Bedeutung: Schild mit einer Hand drauf = Warnung vor Lawinengefahr. Hier verlässt man das gesicherte Skigebiet. Hier darf man, wenn kein weiteres Warnzeichen vorliegt, Tiefschnee fahren, aber man sollte dies nur mit genügend Vorkenntnissen oder mit einem Schneesportlehrer machen. Wenn zusätzlich das Blinklicht an der Panoramatafel an ist, heißt das: akute Lawinengefahr und das Warnschild wird zur Sperrtafel, heißt, man darf dort nicht mehr fahren.
Schnee, der lawinengefährlich ist, hört sich beim Befahren „hohl“ an. Wenn man mit einem Skistock hineinstößt, gibt es zuerst einen Widerstand und dann geht es ins Leere. Das ist aber für einen Laien fast nicht zu erkennen und darf daher nicht als allgemein gültiges Merkmal dienen. Die Beachtung der Warnschilder (Blinklicht Panoramatafel) und des Lawinenwarndienstes (z.B. über Radio) ist unbedingt notwendig.

Gibt es Stellen, die Skifahrer auf jeden Fall meiden sollten?

Die Lee-Seiten eines Hanges (das sind die Seiten, an die der Wind den Schnee hinverfrachtet. Z.B. wenn Nordwind herrscht, ist das die Südseite). Dieser Schnee, der dorthin verfrachtet wurde, ist etwas fester und hört sich beim Befahren hohl an. Man sollte bedenken, dass bei ganz wenig Neuschnee bereits eine sehr hohe Lawinengefahr herrschen kann. Das kommt dadurch, dass selbst geringe Schneemengen, wenn sie auf die Lee-Seite geweht werden, zu großen Anhäufungen führen können (bei z.B. 10 cm Neuschnee kann es auf der Leeseite zu einem Meter angehäuftem Schnee kommen.) In Senken können sich auch erhebliche Schneemengen ansammeln. Man sieht es den Hängen oft nicht an, dass sie so viel Schnee haben. Das kommt ebenfalls durch Verwehungen zustande. So gibt es blanke Stellen, an denen sogar schon die Steine durchkommen, und direkt daneben können wieder große Schneemengen vorhanden sein. Die Gefahr ist nur schwer zu erkennen.

Wie verhalten sich Skifahrer richtig, wenn sie in eine Lawine geraten?

Man sollte schon von vorne herein die Stockschlaufen nicht über die Hände ziehen, damit man die Stöcke im Fall eines Lawinenabgangs sofort wegwerfen kann. Wenn eine Lawine kommt, sollte man versuchen, links oder rechts auszuweichen. Wenn man dennoch in die Lawine hineingerät, sollte man versuchen, sich mit Schwimmbewegungen an der Oberfläche zu halten. Falls man verschüttet wird, sollte man die Arme vor das Gesicht halten, um eine Lufthöhle zur Atmung unter dem Schnee zu schaffen.

Welche Hilfsmittel können oder sollten Skifahrer dabei haben, um auf sich aufmerksam zu machen, wenn sie verschüttet werden?

Unerlässlich ist ein VS-Gerät (Verschütteten-Such-Gerät). Zusätzlich sollte man Schaufel und Sonde in einem Rucksack dabei haben. Auch Erste-Hilfe-Material sollte dabei sein. Es gibt auch einen Lawinen-Ballon an einer Schnur (der Ballon muss ausgelöst werden und bleibt an der Oberfläche der Lawine. So wird der Verschüttete schneller gefunden) oder einen Lawinen-Airbag (der Airbag ist links und rechts am Rucksack befestigt und muss auch ausgelöst werden. Er zieht den Verschütteten an die Oberfläche).

Wie schnell muss ein Skifahrer gefunden werden?

Es sollten nur 10 bis 20 Minuten bis zum Freilegen des Kopfes vergehen. Wenn z.B. die Atemhöhle groß genug ist, kann man eventuell auch länger überleben. Die Gefahr des Erfrierens ist dennoch gegeben.

Wird in den Skischulen auch auf das Thema Lawinengefahr eingegangen, wenn ja wie?

Man übt in der Skischule den Umgang mit den VS-Geräten. Es muss sehr viel Disziplin im alpinen Gelände herrschen, d.h. den Anordnungen des Schneesportlehrers muss konsequent Folge geleistet werden. So sollten nie alle Schüler gleichzeitig einen lawinengefährlichen Hang befahren, da zu viel Gewicht auf den Hang einwirkt. Zudem ist die Gefahr sonst zu groß, dass alle verschüttet werden und keiner zum Suchen mehr da ist.

Um der Lawinengefahr zu begegnen gilt generell folgendes: Niemals alleine Tiefschnee fahren! Immer eine erfahrene Person mitnehmen!