
Diese Forscherinnen waren an der Studie beteiligt (von links nach rechts): Hanna Böke (Doktorandin), Dr. Katharina Spoida (Projektleiterin), Hannah Schulte (Doktorandin und Erstautorin), Maria Worm (Doktorandin). © RUB, Kramer
Bochum, 25. Februar 2026 – Angstreaktionen lassen sich nicht nur lernen, sondern auch wieder verlernen. Forschende der Ruhr-Universität Bochum haben nun herausgefunden, wie dieser Prozess im Gehirn beschleunigt werden kann – mit möglichen Folgen für die Behandlung von Angststörungen und Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS).
Der Mechanismus, in der Forschung „Furchtextinktion“ genannt, sorgt dafür, dass Menschen und Tiere auf ehemals bedrohliche Situationen flexibel reagieren können, sobald keine Gefahr mehr besteht. Ein Team um Dr. Katharina Spoida hat jetzt gezeigt, dass ein bestimmter Typ von Nervenzellen im Gehirn – sogenannte CRF-Neuronen im Bettkern der Stria terminalis (BNST) – eine Schlüsselrolle spielt. Werden diese Zellen gezielt aktiviert, verlernen Mäuse erlernte Angstreaktionen deutlich schneller.
Bereits 2022 hatte dasselbe Team festgestellt, dass Mäuse ohne den Serotonin-Rezeptor 5-HT2C schneller Angst abbauen. Die neue Studie erklärt nun, wie das funktioniert: Die Aktivität der CRF-Zellen im BNST wird durch serotonerge Signale beeinflusst. Fehlt der Rezeptor, wirkt die Nervenzellpopulation stärker angstabbauend.
Forschenden nutzten Chemogenetik
Die Forschenden nutzten dafür Chemogenetik, ein Verfahren, das Nervenzellen wie einen Ein/Aus-Schalter steuert. So konnten sie beobachten, wie sich gezielte Aktivierung oder Hemmung auf das Furchtverhalten auswirkt – sowohl bei genetisch veränderten Mäusen als auch bei normalen Wildtyp-Mäusen.
Praktische Relevanz für Therapien:
Die Ergebnisse könnten erklären, warum Medikamente wie Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) langfristig Angst reduzieren, obwohl sie anfangs oft angststeigernd wirken. Der BNST-CRF-Mechanismus scheint hierbei eine zentrale Rolle zu spielen.
„Unsere Ergebnisse zeigen erstmals einen konkreten Mechanismus im Gehirn, der das Verlernen von Angst unterstützt“, sagt Katharina Spoida. „Das könnte neue Ansätze für Therapien gegen Angststörungen liefern.“